Führungen Berichte

Rückblick auf die Führung in der KVB-Werkstatt am 19. Januar 2024

               

Die erste Führung im neuen Jahr brachte uns in die KVB-Werkstatt nach Weidenpesch.

Das historische Gebäude steht unter Denkmalschutz und feierte im Juni 2023 sein 100-jähriges Jubiläum.

In der Werkstatt in Weidenpesch werden Hauptuntersuchungen durchgeführt, Unfallinstandsetzungen, Sanierungen, Motorarbeiten…
Kleinere Reparaturen können auch in einem der Betriebshöfe im Kölner Stadtgebiet erledigt werden.

Aktuell gibt es 8 verschiedene Fahrzeugserien. Die ältesten sind noch aus den 80er Jahren. So zuverlässig diese Bahnen aber auch sind, es stellt die Werkstatt vor erhebliche Herausforderungen, wenn es beispielsweise um die Beschaffung von Ersatzteilen dafür geht.

Im Kölner Stadtgebiet müssen von den 405 verfügbaren Fahrzeugen täglich 322 einsatzbereit sein, um den Fahrplan aufrecht zu erhalten.
So kann es auch vorkommen, daß Überstunden und Zusatzschichten eingelegt werden müssen, um Bahnen kurzfristig wieder startklar zu machen, damit der Fahrbetrieb nicht eingeschränkt wird. Lieferketten und -zeiten sind dabei entscheidende Faktoren.

In der Werkstatt in Weidenpesch sind dafür ca. 150 Mitarbeiter im Einsatz: z.B. Industriemechaniker und KFZ-Mechatroniker, die von der KVB auch selbst ausgebildet werden können.

Eine Hauptuntersuchung ist nach 500.000km fällig, was einem Zeitraum von ca. 4-5 Jahren entspricht

Jede Bahn verfügt über 2 Triebgestelle sowie ein Laufgestell in der Mitte zur Stabilisierung.

Die Räder werden als Rohling angeliefert und in der Werkstatt weiter verarbeitet.
Der Verschleiß der Räder ist abhängig von Kurven und Kurvenradius, so daß er auf einigen Strecken erheblicher ist als auf anderen.

            

Eine Bahn wiegt inkl. Fahrgäste etwa 60t.

         

Ein herzliches Dankeschön an Herrn Borghoff, der uns durch die Werkstatt führte
und alle Teilnehmer für Ihr Interesse an dieser Führung

Rückblick auf die Führung in der Kaffeerösterei Schamong am 03. November 2023

Schamong ist Kölns älteste Kaffee Rösterei! Seit 1949 hat das Geschäft auf der Venloer Straße geöffnet und bis heute wird dort u.a. mit der alten traditionellen Probat Röstmaschine geröstet. Die alte Ladeneinrichtung steht heute übrigens im Gürzenich. 

Bei der Führung in der Rösterei erzählte uns Geschäftsführer Heribert Schamong über die Geschichte seiner Rösterei von der Entstehung bis zum heutigen Tag, die Ernte und den Verarbeitungsprozess der Kaffeebohnen sowie einige interessante Anekdoten von seinen Reisen u.a. nach Brasilien.

Schamong kauft seinen Kaffee im direct trade Verfahren teilweise direkt bei den Pflanzern ein. Das garantiert faire Bezahlung, die ohne Zwischenhändler direkt bei den Menschen ankommt, die die Arbeit auf den Plantagen leisten, um guten Kaffee zu produzieren.
Die unterschiedlichen Kaffees bei Schamong kommen u.a. aus Kolumbien, Brasilien, Indien, Costa Rica und Äthiopien.

Die Kaffeekirsche ist die Frucht und ihr Kern die Kaffeebohne.

Das Fruchtfleisch mit seinem hohen Anteil an Koffein wird in der Regel zu Dünger verarbeitet.

Die Kaffeebohnen werden getrocknet, von Röstereien aufgekauft und vor Ort wie z.B. in der Rösterei Schamong in Köln geröstet.
Die Ernten z.B. in Brasilien werden zum Teil bereits bis zu 4 Jahre im Voraus an Röstereien verkauft!
Die Kaffeebohnen werden in unterschiedliche Qualitäten eingestuft, die sich letztlich auch im Preis widerspiegeln.
Während Schamong die höchste Qualität einkauft, verbleibt laut Herrn Schamong die schlechteste Qualität z.B. in Brasilien selbst oder wird beispielsweise von Nestlé eingekauft.

Die Kaffeerösterei Schamong führt 24 Filterkaffeesorten. Darunter befinden sich 3 Mischungen, alle anderen werden als Reinsorten bezeichnet.

Kurt, Röster bei Schamong, zeigte uns vor Ort den Röstprozess einer Mischung, erkennbar an den unterschiedlichen Farbtönen der Kaffeebohnen.

Der Röstung dauert ca. 12-18 Minuten. Die Bohnen erreichen dabei eine Temperatur von 200-220°C, wodurch der Kaffee etwa 20% an Gewicht verliert.
Jede unterschiedliche Art von Kaffeebohne verhält sich beim Rösten anders und die Temperatur muss immer wieder justiert werden, damit sie dem Standard der jeweiligen Bohne entspricht. So kann eine gleichbleibende Qualität sichergestellt werden.

Gerösteter Kaffee hält problemlos etwa 3-4 Jahre. Licht und Sauerstoff beeinträchtigen die Qualität allerdings erheblich und sollten unbedingt vermieden werden. Zuhause wird er daher am besten im Gemüsefach des Kühlschranks gelagert.

Während Kaffee für den Hausgebrauch heute pfund- oder kiloweise gekauft wird, wurde er früher in Lots gekauft. Dabei entspricht ein Lot 1 Tasse Kaffee. Die Sorten haben sich in der vergangenen Zeit hingegen kaum geändert und sind somit größtenteils die gleichen wie noch vor vielen Jahren.
Weltweit wird Kaffee auf Dollarbasis gehandelt. In Deutschland ist dabei erwähnenswert, daß pro Kilo 2,19€ Kaffeesteuer anfallen. In einigen Kaffees gibt es daher zur Umgehung der Steuer und um den Preis niedrig zu halten z.B. kleine Beimischungen von Getreide.

Anders als vermutet enthält Espresso übrigens weniger Koffein als Filterkaffee. Die Kontraktionszeit ist dafür entscheidend: bei Espresso beträgt sie nur ca. 25 Sekunden, bei Filterkaffee dagegen etwa 5 Minuten. Längere Zeit bedeutet mehr Koffeingehalt.

Herzlichen Dank an alle Teilnehmer, die bei dieser Führung mit Freude dabei waren und so aufmerksam zugehört haben!

Rückblick auf die Führung im Historischen Rathaus am 06. Oktober 2023

Das Historische Rathaus dürfte jedem Kölner bekannt sein. Vor allem der markante Rathausturm mit den vielen Skulpturen und einer Höhe von 61 Metern prägt das Stadtbild.

Antje Schultz hat uns bei dieser Führung mit ins Rathaus genommen – für viele Teilnehmer tatsächlich das erste Mal, dass sie das Rathaus von innen gesehen haben – und uns über das Gebäude und dessen Geschichte erzählt.

Das Historische Rathaus war nie ein einheitliches Gebäude, sondern eher ein stetig wachsendes Gebilde, heute bestehend aus 3 Teilen:

  1. Dem Kernbau, der 1360 entstanden ist
  2. Dem Rathausturm, der von 1407 bis 1414 errichtet wurde
  3. Dem Vorbau: die Renaissance Laube

Im Inneren des Rathauses erwartet und eine große Halle, die sogenannte Piazetta. Dort finden vor allem Empfänge statt.
Neben den Portraits der ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt hängt dort der "Baldachin" von Hann Trier aus dem Jahr 1980. Das Kunstwerk, scherzhaft auch Wolke oder Kölsch Plümmo genannt, zeigt auf ihrer Unterseite Farben und Formen des Stadtwappens. Auf der Oberseite ist ein Lageplan der Stadt zu sehen.

Vor der Wand des Saalbaues steht die Steinfigur des "Kölsche Boor" von der Eigelsteintorburg. Dieser symbolisierte seit dem hohen Mittelalter die Zugehörigkeit Kölns zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation.

Im Langen Saal, dem Hansasaal, fanden sich früher führende Vertreter der Hanse zu Gesprächen und Verhandlungen ein. Heute wird er für repräsentative Empfänge genutzt, für Verleihungen wie z.B. der des Bundesverdienstkreuzes sowie für Einträge ins Goldene Buch.
Der Saal erinnert mit der Form der Decke an ein Kirchenschiff. Es könnte aber auch ein umgekehrtes Schiff darstellen - ein weiterer Hinweis darauf, dass Köln früher Teil der Hanse war.

An der einen Stirnseite des Saals befinden sich die Skulpturen der 8 Propheten. Auf den Spruchbändern befinden sich die Devisen einer guten Regierungsführung, die das Gemeinwohl über Einzelinteressen stellt.
Die empfindlichen Originale befinden sich um Museum Schnütgen. Im Rathaus befinden sich die detailgetreuen Repliken, die mittels 3D-Drucker erstellt wurden: pro Figur wurden etwa 130 Stunden gedruckt und weitere 2 Wochen bemalt.

Auf der anderen Seite des Saals befinden sich die Skulpturen der sogenannten Neun Guten Helden (3 Christen, 3 Juden, 3 Heiden). Die darüber befindlichen Skulpturen symbolisieren das Recht auf Stadtbefestigung und das Stadtvorrecht (Stapelrecht)

Im Senatssaal, in dem einst der Rat der Stadt Köln tagte, befindet sich noch heute das alte aufwändig gestaltete Gestühl mit Ornamenten aus 20 verschiedenen Hölzern:

Im Löwenhof finden wir den Petersbrunnen aus Alabaster aus dem Jahr 1662 und haben Blick auf den Rathausturm:

         

 

 

 

Rückblick auf die historische Brauereibesichtigung in der Brauwelt Köln am 14. Juli 2023

Braumeister Paolo Richter führt uns an diesem Abend durch das Gebäude der Brauwelt Köln und erzählte uns über die Geschichte der Brauereien Sünner und Malzmühle sowie über das Brauhandwerk im Allgemeinen.

Im Jahr 1830 wurde die Brauerei Sünner gegründet. Sie ist damit Kölns älteste Kölsch Brauerei!
Damals befand sich ihr Standort und somit das Gründungshaus noch an der Deutzer Freiheit. Dort wurde gebraut und gebrannt.
Bereits nach 10 Jahren war es Zeit für einen größeren Standort und so erwarb die Brauerei das Gelände in Köln Kalk mit dem Gebäude eines Kohlezechwerks. Noch heute ist der alte Schriftzug „Zechenbrauerei“ auf dem Gebäude zu sehen. Das heute unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist das älteste erhaltene Industrie-Gebäude-Denkmal Kölns.
Bis Ende der 1980er Jahre war dies auch die größte Kölsch Brauerei.

Die Sünner Brauerei wurde im Januar 2022 von der Malzmühle übernommen. Das war der Zusammenschluss Kölns beider ältesten Brauereien!

Während in den ersten Jahren 70.000 hl Bier pro Jahr gebraut wurden, sind es nach Zusammenschluss mittlerweile 100.000 hl!
Gearbeitet wird in 2 Schichten á 8 Stunden pro Tag; von Montag bis Donnerstag. Der Freitag ist für Reinigungsarbeiten vorbehalten. Ziel ist es aber, den Umsatz langfristig so zu steigern, daß jeden Tag gebraut wird.

Zur Zeit ist die Rangfolge der meist umgesetzten Kölsch Biere:

1. Reissdorf
2. Gaffel
3. Früh
4. Mühlen / Sünner

Beim Brauprozess werden folgende Rohstoffe verwendet:

  • Braugerste aus heimischem Anbau
  • Hopfen aus der Hallertau
  • Hefe aus eigener Reinzucht
  • besonders weiches Brauwasser aus dem hauseigenen Brunnen

Die Kölsch-Konvention von 1985 regelt verbindlich, welches Bier sich Kölsch nennen darf und schützt somit sowohl die Brauart als auch die Herstellungsbetriebe.

Entscheidend sind u.a. diese Kriterien:

1. es darf nur maximal 30km vom Kölner Dom entfernt gebraut werden
2. es muss ein obergäriges, helles Bier sein
3. es muss ein filtriertes, klares Bier sein
4. es muss hopfenbetont sein
5. es muss nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut werden

Die Konvention umfasst aber auch Regeln in Bezug auf das Glas. So gibt es in Traditionsbrauhäusern nur 0,1er Gläser, die sogenannten Stösschen und 0,2er Gläser, die Kölsch Stangen.

In Köln Kalk wird aber nicht nur gebraut, sondern auch gebrannt.
Mittlerweile stellt die Brauerei 14 verschiedene Spirituosen her.
Auch den dafür notwendigen Trinkethanol stellt die Brauerei auf Weizenbasis selbst her.